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Dänischer Turmbau zu Puerto de Sóller

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Juli 20, 2012

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Man sieht es von außen erst auf den zweiten oder dritten Blick, dieses gut getarnte Traumhaus eines dänischen Architekten in vorderster Hafenfront in Puerto de Sóller. Von vorne zeigt sich dem Betrachter eine schmale, glatte Betonfassade, die direkt in die Hausfront eines benachbarten Immobilienbüros übergeht. Diese “Klebebauweise” entspricht der Tradition alter Fischerdörfer auf Mallorca. Wie große Spielzeugbauten sind pittoreske kleine Häuser direkt verbunden und begrüßen das Meer. Architekt und Besitzer Janniche – kurz “Nick” – Spangenberg kaufte vor ein paar Jahren das Grundstück, das eigentlich ein unansehnliches Loch in der historischen Häuserfront war. Um überhaupt bauen zu können, musste Nick, der auch bei Zimmerer- und Maurerarbeiten fleißig mit anpackte, um das bestehende Nachbarhaus herumbauen, dessen Mauerecken nun in sein eigenes Haus ragen. Der Hauseingang ist eine Art kurvige Geheimtreppe um das Hauseck des Nachbarn.

Nach drei Jahren Bauzeit konnte das Ehepaar Inger und Nick 2007 einziehen. Das Ergebnis lässt sich mit “Turmhaus” treffend beschreiben. Wie ein Baum, der sich nach Sonnenlicht streckt, ragt das Haus deutlich mehr in die Höhe als es sich in die Breite zieht –. Die Wohnfläche misst 380 Quadratmeter – auf einem 108 Quadratmeter kleinen Grundstück. Niemand kann besser beweisen als ein Architekt selbst, wie man diesen naturgegeben eng bemessenen Raum optimal nutzen kann. Ein Lift sorgt für bequemen Zugang zu allen fünf Ebenen. Im obersten Stockwerk befindet sich das Schlafzimmer des Ehepaares sowie ein großes, modernes Badezimmer mit viel Glas. Eine Dachterrasse mit Grillplatz ist der ideale Ort für den Chillout mit Freunden im Sommer.

Im Erdgeschoss sind zwei Gästezimmer mit jeweils eigenem Bad untergebracht, von denen eins nach außen direkt an die Fußgänger-Passage grenzt. Schiebetüren aus Holz schützen die Privatsphäre. Oft und gerne bewohnen die vier Kindern und sechs Enkelkindern der Patchwork-Familie, die alle in Dänemark leben, diese Zimmer.

In der Eingangshalle steht eine majestätische Standuhr, die zwar funktioniert, aber “viel zu laut schlägt”, wie Inger sagt. Deshalb zieht sie das gute Stück lieber nicht auf. Daneben lädt eine Sitzgaritur zum gemütlichen Willkommensplausch ein. An der Wand steht ein wunderschönes Modell eines alten Segelschiffes. Im gesamten Haus verteilt stehen noch viele andere Schiffsmodelle, die den Hausherrn stets an seine große Leidenschaft – das Segeln – erinnern. Nick ist Inhaber der Skipper-Lizenz und steuerte in Schweden Big Boats. Die  Motoryacht, die draußen am Kai liegt, ist ihm heilig. “Leider mag Inger das Segeln nicht besonders”, so Nick.

Die eigentliche Wohnebene ist der dritte Stock, dessen Innenleben wesentlich von Inger beeinflusst wurde. Die sympathische Dänin kocht für ihr Leben gerne und hat sich deshalb eine begehbare Koch-Insel nach ihrem Geschmack einbauen lassen. Von dort kann man bequem zur Ess-Ecke hoppen, die durch große Fenster einen tollen Blick über die Hafenpromenade von Sóller bietet.

Wer zum erstenmal von der Küche in die andere Richtung geht, erlebt etwas Spektakuläres. Der Bereich zum Lesen und Musikhören hat einen transparanten Glasboden. Wenn man darüber geht, beschleicht einen zunächst ein mulmiges Gefühl, das sich nach und nach in Begeisterung umwandelt. Durch das Glas sieht man den Indoor-Swimmingpool des Hauses im Stockwerk darunter, dessen Wasser dank kleiner Lämpchen magisch blau schimmert. Wow! Wie ein Schlauch windet sich die “Wohnetage” zum zweiten Hauseingang, der völlig unauffällig in eine hintere Seitengasse mündet.

Ein Treppchen – oder eine Liftstation – darunter kann man den Pool aus der Nähe betrachten. Dabei demonstriert Nick, wie man das Wasser mit einem elektrischen Verdeck schnell und unkompliziert verschwinden lassen kann. Der liebenswerte Pfeifenraucher ist gerne hier, genauso wie Inger. Direkt neben dem Pool ist sein kleiner persönlicher Fitnessbereich mit Sauna aufgebaut. Dort stemmt er täglich Gewichte, macht Sit-Ups und Bankdrücken. Die Wirkung sieht man Nick an: Durchtrainierter Körper, federnder Gang, breite Schultern und keinerlei Bauchansatz.

Sein Arbeitsplatz liegt nur drei Meter von Pool und Fitnessraum entfernt. Er muss nur an zwei Bücherregalen vorbei und steht schon im Architekturbüro. Viele Entwürfe hängen an der Wand. Nick zeichnet auch heute noch alles per Hand. Die Arbeitszeit kann er sich so frei einteilen wie er möchte. Arbeit ist kein Muss mehr, sondern anspruchsvolles Hobby.

Nick Spangenberg hat schon alles erreicht. Seit 45 Jahren ist er selbstständig. 25 Jahre lang lebte er in Schweden, weil dort damals günstigere Arbeitsbedingungen herrschten. Nick reifte im Nachbarland zum Stararchitekt, arbeitete 20 Jahre lang er für die Familie von Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Nick: “Ich war einer der Architekten, die an den ersten Designentwürfen der blau-gelben Möbelhäuser Ikeas beteiligt waren.” Ein klein bisschen Nick steckt also in allen Ikea-Häusern der Welt. Schon im Alter von 27 Jahren arbeitete Nick mit Kamprad persönlich zusammen. Und Ikea war der Grund, der Nick schließlich nach Mallorca verschlug. Er folgte einem Ikea-Franchise-Nehmer, war aber nicht nur für den Möbelgiganten da. Diverse Luxusvillen und Hotels auf Mallorca tragen Nicks Handschrift.

Seine Assistentin ist seine Frau. Vor 16 Jahren lernten sie sich auf Mallorca kennen. Inger war im Urlaub, Nick lebte schon hier. Beide waren ungebunden und die Chemie zwischen ihnen stimmte. Inger musste ein berufliches Opfer bringen, als sie sich entschloss, Nick nach Mallorca zu folgen. In Dänemark leitete sie 23 Jahre lang eine Rennstrecke, auf der hochkarätige Motorsportwettbewerbe ausgetragen wurden: U.a. Rennen der DTM und der Formel 3000, vor der Einführung der GP2-Serie die Nachwuchsabteilung der Formel 1. “Das war ein toller, aufregender Job, den ich ungern aufgegeben habe”, sagt Inger. Doch Nick ist ihr ein und alles und mittlerweile hat sie sich an das ruhige mediterrane Leben gewöhnt.

Wenn die Kinder oder andere Gäste da sind, bieten sich gemütliche Abende im Tiefparterre des Hauses an. Die Räume im Souterrain strahlen lässigen Charme aus. Nick hat mehrere antike Spielautomaten installiert, einen Billardtisch, einen Flipper, einen echten einarmigen Banditen. Der Hauptraum beherbergt ein Heimkino mit einem Flachbild-Fernseher, dessen Bildschirm fast 1 mal 1,5 Meter misst sowie eine THX-Sound-Anlage der Spitzenklasse. Nick: “Ich durfte für den Direktor der Firma Jamo ein Haus in Puerto de Sóller konzipieren. So bekam ich die Jamo-Lautsprecher etwas günstiger. Normalerweise sind die fast unbezahlbar.” Bis zu zehn Personen können es sich in umklappbaren Mickey-Mouse-Sesseln gemütlich machen. In der untersten Etage ist auch ein wohl temperiertes Weindepot integriert.

Im Treppenhaus hängen freischwebend ein Kristall-Lüster und darüber ein auffällig großer roter Schmetterling. Inger: “Wir waren auf Reisen in Bali und Nick wollte ihn unbedingt haben. Ich musste ihn bis zum Abflug überallhin mitschleppen und nun ist er hier.” Die Mühe hat sich gelohnt, denn das Kunstwerk aus Seide ist von bizarrer Schönheit. Um das Gebäude trotz schmaler Fassade mit Tageslicht zu durchfluten, hat Nick ein großes Dachfenster über dem Treppenhaus eingeplant. Der Effekt ist überzeugend.

Nick: “Zuallererst ist ein Haus dazu da, um gemütlich in ihm zu leben.” Kunstobjekte gibt es einige, doch sein Schatz sind Gebrauchsgegenstände: Italienische und dänische Designermöbel aus den 60er, 70er und 80er Jahren. Nick hat wundervoll gestyle Stücke gesammelt und sie im Originalzustand bewahrt. Eine Geldanlage sind die Möbel für ihn nicht, sondern pure Liebhaberei. Aus den 20 Wohnungen und Häusern, die er in seinem Leben bewohnt hat, ist immer irgendwas übrig geblieben. “Ich habe jedes Haus gebaut und eingerichtet, als wäre es mein letztes”, so Nick. Aus Altersgründen denkt er, dass er nun nicht mehr umziehen wird – aber so ganz sicher ist man bei ihm wohl nie.

Kontakt:
Architekt Janniche “Nick” Spangenberg
Tel. +34 971 632 036
Mobile: +34 609 379 067


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