Sunday, Apr. 22, 2018

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Viele Käufer handeln umweltbewusst – aber da ist noch eine Steigerung drin!

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Februar 1, 2012

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Wenn der Klimawandel DAS große globale Thema der ersten Dekade des neuen Jahrtausends war, dann ist wirtschaftliches Überleben zwangsläufig das Top-Thema der zweiten Dekade. Aber müssen sich die beiden Anliegen unbedingt gegenseitig ausschließen? Ist Umweltbewusstsein wirklich Teil einer neuen Immobilien-Strategie der Nachhaltigkeit im Hinblick auf unser zukünftiges Leben?

Mallorca ist in der Tat der ideale Ort, um eine solche Debatte loszutreten. Die Insel ist ein Mikro-Markt: einerseits Teil Spaniens, aber doch eine Insel mit einem einzigartigen internationalen Publikums-Mix. Es gibt ein breites Spektrum von Käufern: von Einheimischen bis hin zu Börsenspekulanten aus Übersee, auf der Suche nach einem netten Zweitwohnsitz. Pop-Sternchen sind darunter, Filmstars und Business-Typen.

Wenn diese Leute ihre Schecks unterschreiben, denken sie dann umweltbewusst?

Eine mögliche Antwort gibt eine nicht streng wissenschaftliche abcMallorca-Umfrage unter Maklern: Wie es scheint, gibt es zwar einen erkennbaren Trend in Richtung „grüner“ Themen bei den Käufern; doch wirklich ausschlaggebend sind diese Argumente beim Kauf nicht. Mit anderen Worten, es ist schön und es lohnt sich – aber es ist noch keineswegs unerlässlich.

„Umweltschutz-Überlegungen spielen verschiedene Rollen“, sagt Daniel Chavarria Waschke, Geschäftsführer von Engel & Völkers Southwest. „In den letzten Jahren zum Beispiel gab es einen deutlichen Trend hin zur Verwendung von traditionellen, natürlichen, vor Ort bezogenen Materialien – nicht nur, weil das umweltfreundlicher ist, sondern weil es wunderschön aussieht.“

„Wir beobachten auch eine viel größere Nutzung von Sonnenkollektoren zur Energiegewinnung – oder -Ergänzung. Und natürlich sind diese Einrichtungen in allen neuen Gebäuden in Spanien seit 2007 Pflicht.
„Angesichts des Drucks, der auf dem öffentlichen Trinkwasser-System der Insel lastet, suchen mehr und mehr Käufer nach externen Quellen, um ihre Gärten zu bewässern. Viele wollen eben vermeiden, das wertvolle Trinkwasser zu vergeuden. Solche Sachen machen wirklich Sinn.“

Und welche Käufer sind besonders umweltbewusst? Nach Meinung von Chavarria Waschkes Kollege Reiner Fischer, E & V-Lizenz-Partner im Nordosten, sind das vor allem die deutschen Käufer – gemeinsam mit den Briten. Diese beiden Gruppen sind auch die wichtigsten Immobilienmarkt-Akteure auf Mallorca.

„Nach meiner Erfahrung fragen deutsche Käufer am ehesten im Detail nach der Umweltverträglichkeit von jedem Haus“, berichtet er abcMallorca.

„Dies könnte an der langen Umweltschutz-Tradition in Deutschland liegen. Dadurch ist diese Gesellschaft insgesamt beim Thema hellhöriger.“

Andreas Dinges, Geschäftsführer von Private Property Mallorca, stimmt zu, dass viele Käufer gerne umweltbewusst sind; dass dieses Thema aber nicht immer oben auf der Agenda steht – oft aus rein praktischen Gründen.
„Wir verkaufen Wohnungen in der Altstadt von Palma zum Beispiel, und da ist es sehr schwierig, Solarzellen zu verwenden, auch wenn der neue Eigentümer ein sehr starkes Engagement für die Umwelt zeigt. Es gibt Grenzen von dem, was man dort tun kann.“

„Auch wenn wir eine Ferienwohnung im Resort Pedro Otzup verkaufen, ist es Otzups besonderer und einzigartiger architektonischer Stil, den die Käufer suchen. Grüne Überlegungen – während sie bis zu einem gewissen Grad eine Rolle spielen – sind nicht ganz oben in den Köpfen.“
Er stimmt mit Daniel Chavarria Waschke jedoch überein, dass grüne Überlegungen wirklich wichtig werden, sobald Käufer sich für Immobilien wie traditionelle Fincas entscheiden, die sie liebevoll wiederherstellen oder renovieren wollen.

„Diese Art von Immobilien zu verkaufen, ist nicht unsere Hauptaktivität. Aber genau hier kippt oft das Gleichgewicht: Einkäufer wollen wesentlichen Änderungen, sehen eine tolle Gelegenheit, diese Umbauten auf umweltfreundliche Art und Weise durchzuführen – und das ist reizvoll.“

Architekt, John Wolfendale von EcoVida International in Granada, kommt auf einen anderen Punkt zu sprechen: „Viele Käufer wissen gar nicht, dass sie eine umweltfreundliche Immobilie suchen. Doch letztendlich wollen sie genau das.“
„Es ist häufig eine Frage der Sprache“, so Wolfendale zu abcMallorca. „Sie suchen Komfort, mit anderen Worten, Materialien und Systeme, die sie im Winter warm einpacken und im Sommer kühl halten. Komfort bedeutet unter diesen Bedingungen Energieeffizienz, Dämmung, Strahlungsheizung und -kühlung, erneuerbare Energien. Somit ist

…. Energieeffizienz oft gleichzusetzten mit Komfort.“

„Viele Leute glauben auch, sie haben eine Sonderprämie (in der Regel 30 Prozent) für die Energieeffizienz bezahlen müssen. Aber das ist nicht wirklich wahr. Sie zahlen die Prämie für Qualität. Und Qualität bedeutet a) eine sorgfältige Auswahl der Materialien und b) gutes Design. Oft wird eine unterpreisige und mangelhafte Villa in ein komfortables, energieeffizientes Zuhause verwandelt. So etwas machen wir ständig.“ Und doch gibt es zwangsläufig Spannungen zwischen Umweltschutz und der Art der Rendite-Steigerung, welche im Interesse aller Kommunen ist.

Nehmen wir zum Beispiel die jüngsten Statistiken des Tourismus-Instituts (Instituto de Estudios Turismo) in Madrid. Diese enthüllten, dass fast ein Fünftel der 32,2 Millionen Passagiere, die zwischen Januar und Oktober 2011 mit Low-Cost-Airlines nach Spanien flogen, in Palma landete.
• In diesen zehn Monaten passierten 5,9 Millionen Passagiere den Flughafen Palma – eine 12-prozentige Steigerung zu 2010.
• Für die Balearen als Ganzes, lag die entsprechende Zahl bei 7,6 Millionen – ein Plus von 14 Prozent verglichen mit 2010.
• Die Zahl der Ankünfte traditioneller Fluggesellschaften in Palma lag bei knapp über 2 Mio. für die gleichen 10 Monate, was einer Steigerung von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht – insgesamt also immer noch weniger als ein Zehntel der 23,7 Millionen Menschen, die mit traditionellen Fluglinien nach Spanien reisen.

Diese Zahlen sollten eine gute Nachricht für den lokalen Immobilienmarkt sein, sagt Stephen Dight, Geschäftsführer von Mallorca Sotheby ‘s International Realty: „Weil

….verbesserte touristische Zahlen oft eine Vorstufe zu nachfrageorientierten Preiserhöhungen auf dem Häuser- und Wohnungsmarkt sind.“

Die Balance zwischen Kosten und Nutzen ist bei der „grünen Debatte“ nach wie vor schwierig. Das haben wir beim Durban-Klimagipfel im Dezember gesehen. Zweifellos werden wir das beim Rio Earth Summit im Juni wieder erleben. Für Mallorca lautet das Fazit, dass sich der Markt belebt und gleichzeitig „grüner“ werden muss – auch im Premium-Segment.


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Über den Autor

Peter Cluskey

Peter Cluskey

An Irish journalist who worked for some years as a war correspondent for the national television station in Ireland – RTE. In recent years, he has specialised in writing about the real estate market worldwide – focusing particularly on the luxury second home destinations. He is a sought-after contributor to a number of international property publications, based on his reputation for well-researched and excellently written articles.